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BRASIL, Sudeste, RIO DE JANEIRO, SANTA TERESA, Homem, German, Portuguese
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Arthur Friedenreich - das vergessene Fußballgenie
Es gibt wohl keine Fußballnation, die mehr internationale Superstars hervorgebracht hat als Brasilien. Erst vor wenigen Wochen durfte anlässlich des Länderspiels gegen Deutschland nahezu jeder, der schon einmal gegen einen Ball getreten hat, in zahllosen Interviews seine Bewunderung für die brasilianischen Ballkünste zum Ausdruck bringen und in Kindheitserinnerungen schwelgen. Je nach Generation des Befragten fielen Namen wie Pelé, Zico oder Sócrates und wer Mario Götzes Antwort lesen durfte, er kenne Romario und Bebeto nur aus Erzählungen, der konnte sich auch schon einmal ein wenig alt fühlen. Einen Namen fand man aber auf keiner der runter gebeteten Listen: Arthur Friedenreich. Es ist leicht zu erklären, warum der Name des 1892 geborenen Friedenreich kaum noch bekannt ist: Zunächst liegt seine aktive Zeit schon mehr als siebzig Jahre zurück und die Zahl der Zeitzeugen ist entsprechend gering. Außerdem war in den 1910er und 1920er Jahren, als Friedenreich auf dem Höhepunkt seines Schaffens stand, die mediale Berichterstattung noch sehr rudimentär: Meist veröffentlichten die Zeitungen nur die Spielergebnisse, schon die Nennung der Torschützen war eher unüblich. Erst am Ende von Friedenreichs Karriere wurden Spiele live im Radio übertragen. Es fehlten also emotionale Momente, die kollektiv geteilt wurden und ein gemeinsames Erinnern ermöglichten. Hinzu kam, dass der Club Athletico Paulistano, mit dem Friedenreich mehrfach die Meisterschaft von São Paulo gewann (eine landesweite Meisterschaft gibt es erst seit 1971), niemals am Profifußball teilnahm und eine entsprechend kleine Fanbasis hatte und hat, die das historische Erbe des Vereins kultivieren konnte. Und so ist der Mann beinahe vergessen, der nicht nur der erste brasilianische Fußballstar war, sondern der erste schwarze Spieler überhaupt, der sich bei einem der offiziellen Vereine Brasiliens durchsetzen konnte. Friedenreich ist damit ohne Frage einer der Gründungsväter des brasilianischen Fußballs, so wie wir ihn kennen. Martin Curi erinnert in seiner 2009 erschienenen Biographie an diesen außergewöhnlichen Fußballer, dem nur ein glücklicher Umstand überhaupt die Karriere ermöglichte. Im frühen brasilianischen Fußball trafen schwarze Spieler gleich auf zwei Barrieren: Die rassische und die soziale, wobei beides eng miteinander zusammen hing. Wie in den meisten lateinamerikanischen Ländern hatten Zuwanderer aus Europa den Fußball eingeführt und in elitären Clubs etabliert. Schwarze hatten zu diesen Vereinen keinen Zugang. Allerdings signalisiert bereits Friedenreichs Name, dass dieser lediglich mütterlicherseits Nachkomme von Sklaven war, während sein Vater aus Deutschland stammte. Dies erleichterte ihm den Zugang zum elitären Clubwesen: Da der in São Paulo beheimatete Verein SC Germania unabhängig von der sozialen Stellung allen Angehörigen der deutschen Kolonie die Mitgliedschaft erlaubte, konnte Friedenreich die rassische Barriere umgehen, die soziale spielte bei ihm – anders als bei vielen Schwarzen Brasiliens – ohnehin keine Rolle, da sein Vater Bankier war. Die brasilianische Gesellschaft war in diesen Jahren in einer langen Phase des Umbruchs. Die Sklaverei wurde hier erst spät abgeschafft und war besonders brutal. Auch wenn das Land mittlerweile formal demokratisch regiert wurde und eine Gleichberechtigung der Rassen existierte, war der Rassismus weiterhin ein drängendes Problem. Curi gelingt es ohne moralisierenden Unterton, die Karriere Friedenreichs anschaulich zu beschreiben und zugleich Einblick in die Entwicklung des Landes zu geben. So zeichnet er die Bedeutung des Rassismus für den brasilianischen Fußball in seinen Anfängen als auch für Friedenreich persönlich nach. Und die war keineswegs gering: Obwohl er der beste Spieler seiner Zeit war, stehen in Friedenreichs Länderspielbilanz lediglich 22 Spiele und er durfte nie an einer WM teilnehmen, weil schwarze Spieler als nicht präsentabel galten. Als Reaktion auf den allgegenwärtigen Rassismus versuchte Friedenreich seine Hautfarbe zu kaschieren und glättete beispielsweise seine krausen Haare oder spielte mit Haarnetz. Auf nahezu allen Mannschaftsfotos ist er der einzige Schwarze, aber trotz der gegen ihn herrschenden Ressentiments scheint er seine positive Grundhaltung, die sich auf dem Platz durch seine Spielfreude ausdrückte – der Legende nach ist er der Erfinder zahlreicher Tricks, unter anderem des Übersteigers – auch außerhalb des Spieles nicht verloren zu haben. So gelang es ihm aufgrund seiner überragenden fußballerischen Fähigkeiten wie durch seine offene Art, die anfangs durchaus vorhandene Skepsis seiner Teamkameraden zu überwinden und Erfolge zu erzielen, die heute in zahlreichen Youtube-Videos gewürdigt würde. Da es diese vor bald hundert Jahren noch nicht gab, bleibt uns allein die lesenswerte Biographie von Martin Curi, die Interesse an Fußball mit der Neugier auf die Geschichte fremder Länder wunderbar verbindet. Martin Curi, Friedenreich. Das vergessene Fußballgenie, Göttingen 2009, 16,90 Euro. Bei Amazon bestellen: Friedenreich: Das vergessene Fußballgenie Patrick Bormann, 07.09.2011
Escrito por martin às 11h46
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FRAUENFUSSBALL-WM - IN DEUTSCHLAND HERRSCHT MEDIAL VERORDNETER JUBEL. IM AUSLAND ALLERDINGS IST DER NOCH NICHT SO RECHT ANGEKOMMEN. EINE ZWISCHENBILANZ.
Die Zeitung O Globo überschlug sich vor Begeisterung. Die Leistungen von Marta, dem Star des brasilianischen Frauen-Fußballs, seien bloß mit denen eines Messi vergleichbar - "aber Marta ist eine Frau, und Fußball ist Männersache, oder nicht?" Und nach dieser Wende folgte die Trauersinfonie über Brasiliens Herren-Mannschaft, die bei der Copa América gegen Venezuela nur 0:0 gespielt hatte. Kein Wort mehr über Marta, Cristiane, Andreia, Formiga. Drei Seiten Männerfußball und auf der vierten die Frauen-Fußball-WM in Deutschland - das ist die typische Gewichtung des "Mundial Feminino" in der brasilianischen Presse. Und das Fernsehen handelt die Frauen-WM als "ein nettes Nachmittagsprogramm" ab - das Spiel Deutschland gegen Nigeria wurde sogar kurzfristig gekippt, um die brasilianischen Volleyballer gegen Polen zu zeigen. "Dass zeitgleich die Copa América stattfindet, schmälert natürlich die Aufmerksamkeit", sagt der in Rio lehrende deutsche Sport-Soziologe Martin Curi. Der Frauenfußball in Brasilien habe aber auch keine Struktur. Es gebe keine richtigen Ligen, keine ordentlichen Meisterschaften, kaum Förderung. "Da beißt sich die Katze in den Schwanz", sagt Curi, "die Medien sind deshalb kaum interessiert, also investiert der Verband nicht in Frauenfußball." (wok.) ------------------------------
Escrito por martin às 11h36
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Der Traum von Millionen
Brasiliens Fußball ist auch eine riesige Frustrationsmaschine: Denn der Traum von Millionen junger Fußballer wird nur für wenige wahr. Von Wolfgang Kunath Der Viereinhalb-Millionen-Mann hatte am Abend vorher ein Spiel, deshalb fällt das Training kurz aus. Zusammen mit sechs anderen schlappt Phillipe Coutinho ein paar Mal gemächlich um das Spielfeld im São-Januário-Stadium, der Heimstatt von Vasco da Gama, dann steht er zum Interview bereit: Ein 16jähriger Wuschelkopf, der gerade für 4,5 Millionen Euro an Inter Mailand verkauft wurde. "Ich freu mich drauf", sagt er, als ginge es nur ins Zeltlager, "ich war schon zweimal in Italien, sie waren nett zu mir". Druck von zu Hause, das Geld heranzuschaffen? "Nein", wehrt er ab, "mein Vater macht nur Druck wegen der Schule". Und Probleme werde er nicht haben, weder wegen des vielen Geldes noch wegen der neuen Umgebung: "Meine Eltern gehen ja mit, um auf mich aufzupassen", sagt er ganz ohne Ironie. Vasco ist einer der großen Traditionsvereine von Rio de Janeiro. Von Portugiesen in einem damals feinen Viertel gegründet, war es der erste Fußballclub mit einer mehrheitlich schwarzen Mannschaft, worauf die Vasco-Leute bis heute genauso stolz sind wie auf ihren Ehrensaal unter der Stadionschräge, in dem an die 7500 Trophäen - von lorbeerbekränzten Medaillen bis taufbeckengroßen Pokalen - ausgestellt sind. Den Namen Barbosa sollte man hier übrigens lieber nicht erwähnen: Der größte Unglücksrabe des brasilianischen Fußballs, der 1950 das entscheidende Tor gegen Uruguay nicht hielt und damit die Weltmeisterschaft Brasiliens vergeigte, war Vasco-Spieler. Aber die Zeiten haben sich geändert. An das altehrwürdige São-Januário-Stadion grenzen heute die Favelas, Rios Elendsviertel. Vasco muss nicht nur sportliche Erfolge und gute Spieler mit hohem Marktwert erzeugen, sondern praktische Sozialarbeit leisten, und natürlich versucht der Klub, das alles miteinander zu verbinden. Vasco gibt täglich 600 Essen aus, und als erster der brasilianischen Vereine hat er vor fünf Jahren eine eigene Schule - die übrigens auch Phillipe besucht hat - gegründet, damit die Spieler über dem Sport ihre Ausbildung nicht vernachlässigen. Denn so gierig die Klubs auf junge Talente sind, so erfolgreich sie ihre Spieler heranzüchten, so teuer sie die Besten ins Ausland verkaufen - Brasiliens Fußball ist zugleich eine riesige Frustrationsmaschine. In den über 500 Vereinen spielen an die 23.000 Profifußballer, von denen 90 Prozent höchstens bis zu 300 Euro verdienen, und nur weniger viel mehr. Die allermeisten kommen aus bitterarmen, oft familiär zerrütteten Familien. Für sie ist der Fußball die einzige denkbare Art des sozialen Aufstiegs - Traum von Millionen, der nur für wenige wahr wird. Zwar hat Brasilien in den letzten vier Jahren 3916 Spieler ins Ausland verkauft. Aber was wird aus denen, die nicht bei den großen, berühmten Klubs spielen, sondern bei unbekannten Vereinen in der Ukraine oder in Rumänien landen? "Europa hat ein Riesen-Image in Brasilien, auch wenn"s die Faröer-Inseln sind", sagt der deutsche Sportsoziologe Martin Curi. Den meisten ins Ausland verkauften Brasilianern stehe eine menschlich schwierige "Nomaden-Existenz" bevor - alles andere als eine glanzvolle Karriere. Curis Kollege, der brasilianische Fußball-Soziologe Maurício Murad, geht so weit, den Spieler-Export heute als moderne Fortsetzung alter Ausbeutung zu sehen: "Früher haben wir unseren Zucker, unser Gold, unseren Kaffee exportiert, heute geben wir unsere besten Spieler weg".
Escrito por martin às 11h34
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Dois cafés e a conta......com Martin Curi
Oantropólogo alemão Martin Curi desembarcou aqui em 2000 com dois objetivos: aprender português e ver futebol. Onze anos depois, com um português impecável, mas um sotaque que denuncia a origem estrangeira, ele fala de seus projetos—todos sobre futebol. Professor da Universidade Federal Fluminense (UFF), escreveu um livro sobre Arthur Friedenreich, apelidado de El Tigre, um dos maiores craques do futebol brasileiro, filho de alemão com negra brasileira. A obra foi lançada na Alemanha, mas ainda não encontrou editora aqui. “Ele foi esquecido porque jogou numa época em que o Brasil quis esconder seus negros, enquanto Leônidas da Silva é lembrado porque já era desejado ter um símbolo negro”, diz Curi, de 35 anos, torcedor do Bayern de Munique e do Fluminense, que trabalhou na Copa da Alemanha no atendimento aos brasileiros. Pela mesma editora, ele lança em 2013 um livro sobre o Brasil e o futebol. Ele é editor da revista eletrônica www.esportesociedade.com, que publica artigos sobre o esporte do ponto de vista da ciência social; um dos fundadores do Nepess (Núcleo de Estudos e Pesquisas Sobre Esporte e Sociedade); e prepara sua tese de doutorado sobre a mudança arquitetônica do estádio Engenhão.
Escrito por martin às 16h04
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Dois cafés e a conta......com Martin Curi
O Globo, 30.03.2011, Mauro Ventura REVISTA O GLOBO: Como vai ser o seu livro? MARTIN CURI: Vou apresentar o Brasil através do futebol. Ele está sempre presente na vida cotidiana do país, é o principal tema para conversas fiadas, vai muito além do jogo em si. Basta lembrar as metáforas do Lula. O futebol abre as portas para desvios, como a vida de Garrincha. Falarei sobre torcedores, economia, futebol feminino, religião. Visitarei todas as sedes da Copa de 2014. Estive em Natal há um mês e vou dia 2 para Belo Horizonte. Em Brasília, vou focar mais na questão política. No Sul, na imigração. Você é um crítico da pasteurização do espetáculo e da elitização dos estádios de futebol, não? Parece inacreditável para um estrangeiro que justamente os brasileiros, famosos pela festa, acabem com a geral e queiram que todos fiquem sentados. É óbvio que as condições dos estádios no Brasil chegaram a um ponto insustentável e era preciso reforçar a segurança. Mas a geral não significa insegurança. As mudanças favorecem um tipo de torcedor que tem mais dinheiro, gosta de ficar sentado e prefere ver o jogo. E excluem aquele para quem o futebol é uma coisa comunitária, que valoriza a festa, o encontro com os amigos, o canto e a dança. Este é estigmatizado e rotulado de violento. A Inglaterra acabou com a geral, encareceu o ingresso e excluiu muito as organizadas. Fez estádios-caixões, com jogos silenciosos e sem atmosfera.
Escrito por martin às 16h04
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Dois cafés e a conta......com Martin Curi
O que acha da criminalização dos torcedores? É preciso uma alternativa à repressão policial. Ter uma instituição com assistentes sociais que ouçam os torcedores, saibam suas necessidades, criem projetos sociais e culturais e estimulem sua criatividade, conseguindo material e espaço para pintura de bandeiras, por exemplo. Além da repressão e das mudanças nos estádios, as torcidas se queixam do choque de ordem. Em Natal, vende-se cerveja no estádio, o que é maravilhoso. Falei: “Isso vai mudar.” Duvidaram: “Aqui é Nordeste, é diferente do Rio, as pessoas não vão abrir mão de sua cervejinha.” Mas vai acontecer. É exigência da Fifa. Mas o Brasil poderia fazer como a Alemanha. Na Copa, as gerais foram cobertas com assentos, e a cerveja, proibida. Depois, a geral e a cerveja voltaram. Você teve um estudo sobre discriminação nas torcidas cariocas premiado pela Fifa... A ONG Fare (Football Against Racism in Europe) abriu edital para projetos fora da Europa. Fiz com o Ibase. Perguntávamos no Maracanã: “Onde você guarda seu racismo?” Alguns ficavam ofendidos. A maioria negava. Um disse: “Não tem racismo, sou brasileiro.” Enquanto o Brasil nega seu racismo, a Alemanha assume. Diz: “Somos racistas.” E financia projetos contra o racismo. E como é a discriminação nas torcidas? Quando cheguei ao Brasil, fiquei chocado com o grito quando o Flamengo leva gol: “Ela, ela, ela, silêncio na favela.” Dizem: “É brincadeira.” Mas o sistema de discriminação no país faz com que tudo seja encarado como bonitinho, provocação inocente. Se você fala contra, vira o rígido, o sem jogo de cintura. Mas, de 2007 para cá, surgiram o Loucos pelo Botafogo, a Urubuzada, a Legião Tricolor e o Guerreiros do Almirante. Inspirados nas torcidas argentinas, são agrupamentos não organizados, com músicas sem palavrão, que são as que fazem mais sucesso hoje.
Escrito por martin às 16h03
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Deutscher Fußball-Kulturpreis 2009
Fußballbuch des Jahres: Die Top-Zwölf der Saison – gewählt von einer Fachjury der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur Jury Elf führende deutsche Sport- und Kulturjournalisten, gecoacht von einem lesefreudigen Bundesligatrainer: Ergebnis der Nominierung und Abstimmung Mit „Keine Kunst" hat sich Péter Esterházy bei der Wahl zum Fußballbuch des Jahres 2009 am Ende klar durchgesetzt. Der Vize-Titel „Football against the enemy – Oder: Wie ich lernte, Deutschland zu lieben" stammt aus der Feder von Simon Kuper. Das kleine Finale entscheidet Martin Curi für sich mit „Friedenreich. Das vergessene Fußballgenie", knapp vor Frank Goosens Fußballgeschichten „Weil Samstag ist". Die Platzierungen im Überblick 1. Keine Kunst Péter Esterházy Berlin 2009, Berlin Verlag, 253 Seiten, 22 € 2. Football against the enemy – Oder: Wie ich lernte, Deutschland zu lieben Simon Kuper Göttingen 2009, Verlag Die Werkstatt, 379 Seiten, 16,90 € 3. Friedenreich. Das vergessene Fußballgenie Martin Curi Göttingen 2009, Verlag Die Werkstatt, 123 Seiten, 16,90 € 4. Weil Samstag ist. Fußballgeschichten Frank Goosen Frankfurt/Main 2008, Eichborn Verlag, 160 Seiten, 12,95 € mehr Infos: www.fussball-kultur.org
Escrito por martin às 17h31
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Acervo Rocha Netto completa 90 anos
http://dandonota.wordpress.com/minhas-materias/rocha-netto/ Publicado no Jornal de Piracicaba em 09 de agosto de 2009 Rodrigo Alves rodrigoalves@jpjornal.com.br Há 90 anos, quando tinha apenas seis anos, Delphim Ferreira da Rocha Netto (1913-2003) começou a guardar pequenos recortes de jornais sobre jogadores de futebol e times nacionais. Dava, então, o primeiro passo para o que é um dos maiores e mais completos acervos sobre o esporte no país. Hoje sob os cuidados do IEP (Instituto Educacional Piracicabano), os números impressionam: são aproximadamente 50.000 fotografias, anotações pessoais, livros, coleções de revistas esportivas históricas, flâmulas, fichas técnicas de jogos e dados biográficos de atletas. Guardado no Espaço Memória Piracicabana, no subsolo do Centro Cultural Martha Watts, o material recebe diariamente pesquisadores. Mais recentemente, uma obra na língua alemã foi lançada e teve parte da pesquisa concentrada na sala onde está o acervo de Rocha Netto, na rua Boa Morte, 1.257, Centro. Trata-se de Friedenreich — Das Vergessene Fussbalgenie (algo que traduzido para o português seria O Gênio Esquecido do Futebol), de autoria de Martin Curi, pesquisador graduado em serviço social, com mestrado em sociologia e doutorando em antropologia na UFF (Universidade Federal Fluminense). Radicado no Rio de Janeiro há sete anos, Curi tomou conhecimento da existência do arquivo depois de participar de um simpósio na UFRJ (Universidade Federal do Rio de Janeiro), onde estava uma ex-funcionária do Centro Cultural Martha Watts. Logo que teve oportunidade, fez a viagem até Piracicaba para encontrar mais informações sobre o jogador Artur Friedenreich, apelidado pela imprensa argentina como El Tigre. “Estava em busca de detalhes. Como a carreira de Friedenreich se encerrou faz muito tempo, são poucas as fontes a recorrer. Achei relevante recorrer ao material disponível em Piracicaba”, contextualiza. Dois pontos que chamaram a atenção no material deixado por Rocha Netto, garante Martin, são os cartões de jogadores e as fichas com anotações dos fatos. “Esse arquivo é essencial para quem pesquisa o esporte como um todo. Para mim foi um verdadeiro achado.” Citando Friedenreich e outros jogadores antigos, Martin diz que a pesquisa no acervo piracicabano reforça a idéia de que o futebol do passado era muito diferente do que se acompanha nos tempos atuais. “Eu encontrei muita coisa curiosa. Hoje estamos muito acostumados a um futebol completamente profissionalizado e na mídia. O futebol nos tempos do Friedenreich não tem nada a ver. As fotos que escolhi para o meu livro trazem jogadores usando um cinto sobre o calção, juizes uniformizados de terno branco. São coisas curiosas e que se modificaram com o tempo”, observa. “Friedenreich jogou em uma época em que o futebol era um esporte da elite. Esse panorama mudou completamente”, completa. Para Celso Dario Unzelte, jornalista, pesquisador e comentarista esportivo, o acervo Rocha Netto é imprescindível para qualquer pessoa que em algum momento precise trabalhar com a memória do futebol. Ele conheceu pessoalmente o memorialista em 2000, quando fazia a pesquisa sobre o Corinthians. Na ocasião, buscava informações para escrever o livro Almanaque do Timão. “Precisava reunir todos os dados de jogos, a partir de 1910, e biografias de jogadores e técnicos. Na parte de anotações sobre Piracicaba e interior de São Paulo, tinha planejado visitar o Rocha Netto. Ele, sempre muito solícito, me atendeu. No começo do livro, agradeço a sua contribuição, como uma memória viva do futebol e do jornalismo esportivo”, recorda-se Unzelte. Por certo tempo, Unzelte manteve estreito vínculo com Rocha Netto e além de freqüentar o seu acervo, fazia telefonemas para sanar eventuais dúvidas. “Era uma testemunha viva da história. Ele chegou a treinar com o próprio Friedenreich. Era muito preciso nas colocações”, garante, ao citar outros livros que escreveu e que contam com a colaboração do acervo: Almanaque do Palmeiras e O Livro de Ouro do Futebol. “Volta e meia ainda utilizo muitas coisas e recorro às reproduções de fotos que ganhei dele, de jogadores do passado, gente dos anos 10 e 20. É difícil mensurar os momentos em que o acervo dele me ajudou, porque indiretamente continuo usando até hoje.” CONTRIBUIÇÃO Quem acompanhou de perto a sistemática do acervo é a jornalista Ângela Rodrigues, que trabalhou com Rocha Netto a partir de 2002 e, depois, com a morte do memorialista, em 2003, tratou de fazer a manutenção do mesmo. Ela permaneceu até 2007 como responsável pelo acervo de futebol e preciosidades cinematográficas (sim, ele também era aficcionado por cinema e guardou vídeos, revistas e pôsteres antigos). Ela enumera algumas ocasiões em que os objetos contribuíram com o trabalho de pesquisadores. É o caso das pesquisas para algumas edições do Almanaque do Futebol Paulista, produzido pela Federação Paulista de Futebol anualmente; para o livro 65 Anos de Luta pelo Futebol Amador, de José Luiz Guidotti, que conta a história da Liga Piracicabana de Futebol; para a publicação Quando o Futebol Andava de Trem, de Ernani Buchmann, sobre a demora dos times ferroviários brasileiros; o livro Radium — O Verdão da Mogiana, sobre a história do Clube Radium Futebol Clube, de Marcos Eduardo Santoni; e a obra A Voz do Brasil, sobre os principais locutores brasileiros, de Anamaria Rinaldi e Luciana Martins, que utilizaram uma foto do campeonato sul-americano de 1919, que mostra uma multidão em frente à redação do jornal O Estado de S. Paulo, aguardando o resultado do jogo. Sobre o relacionamento do ituano com o craque Friedenreich, Ângela cita que Rocha Netto o definia como o melhor jogador de todos os tempos, tendo, inclusive, a oportunidade de conhecê-lo pessoalmente quando treinou em um clube amador em São Paulo, em que “El Tigre” era o técnico. No próprio acervo há uma fotografia em que Rocha aparece entrevistando a irmã de Friedenreich, que teria morado no Lar dos Velhinhos de Piracicaba. “Quando as pessoas perguntavam para ele quem era o melhor jogador, se surpreendiam quando a resposta era Friedenreich. Então, elas perguntavam: ‘mas e o Pelé?’. Ele respondia: ‘Eu vi ele jogar, o Leonidas e o Pelé. Poucos viram isto’”, cita Ângela, lembrando que Rocha Netto deixou anotações sobre todas as escalações do XV de Piracicaba e guardou todas as publicações do clube entre 1913 e 1995. Ali existe também a coleção de A Gazeta Esportiva, a partir de 1929. O XV de Piracicaba é o único clube brasileiro que possui um acervo que conte sua história em detalhes. Ângela comenta que a preocupação de Rocha Netto era guardar as informações para que as gerações futuras tivessem acesso. E isso, como pode ser comprovado hoje, está sendo feito no Centro Cultural Martha Watts, que garante o armazenamento dos materiais em sala climatizada, caixas adequadas e instalações próprias, de acordo com as exigências museológicas. FUTURO Sobre o trabalho de preservação do acervo, a coordenadora do Centro Cultural Martha Watts, Joceli de Fátima Cerqueira Lazier, lembra que o IEP mantém a preocupação desde que a doação foi oficializada, em 2000. Tanto é que anteriormente tudo era mantido na casa em que Rocha Netto residiu, na rua Gomes Carneiro, no Centro, e a instituição bancou as adequações do novo espaço para evitar eventuais danos. A transferência para o atual endereço ocorreu em 2006 e hoje qualquer pessoa pode ter acesso ao arquivo: basta apenas fazer um agendamento. O funcionamento é de segunda a sexta-feira, das 9h às 12h e das 13h às 17h. “Rocha Netto se preocupou em preservar a história do esporte, do futebol principalmente, numa época em que não se pensava tanto nisto. Ele preservou uma época da história de Piracicaba e do Brasil. É por isso que ao transferirmos as fotografias e demais objetos, buscamos manter a mesma organização que ele mantinha”, garante Joceli, também coordenadora do NUC (Núcleo Universitário de Cultura), da Unimep (Universidade Metodista de Piracicaba). Uma das intenções é digitalizar o conteúdo, tornando não apenas o manuseio mais fácil, como ainda garantindo que as raridades não se deteriorem. Existe até um projeto, orçado em aproximadamente R$ 70 mil, que pleiteia a chancela por meio da Lei Rouanet (Lei Federal de Incentivo à Cultura), permitindo ao IEP receber o apoio de empresas na empreitada.
Escrito por martin às 17h26
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M.Curi: Friedenreich - Das vergessene Fußballgenie
http://auswaertssieg.schalkewelt.info/2009/07/25/mcuri-friedenreich-das-vergessene-fusballgenie/ Vor genau 100 Jahren bestreitet ein deutschstämmiger Brasilianer sein erstes Ligaspiel und wird in den nächsten 26 Jahren zu einem der bemerkenswertesten Fußballer seines Landes und darüber hinaus. 1985 nennt die FIFA ihn als erfolgreichsten Torschützen aller Zeiten - und doch ist Arthur Friedenreich vergleichsweise wenig bekannt. Wie kommt’s? Martin Curi, ein seit Jahren in Brasilien lebender Deutscher, der zum Thema Fußball u.a. für „Spiegel TV“ und „11 Freunde“ tätig wurde, legt hier eine mit gut 100 Seiten reinen Text relativ kurze Biographie vor, in der allerdings viel Interessantes über den Fußballer Friedenreich (oder, wie er in Brasilien der Einfachheit halber genannt wurde: „Fried“) und insbesondere auch über die Entwicklung des Sports und der Gesellschaft in Brasilien vor. Wenn mir etwas nicht gefällt an diesem Buch, dann ist es die Vorliebe für sehr kurze Sätze, die manchmal unvermittelten Zeitsprünge in der Erzählung und dass eigentlich „stehende“, bekannte Begriffe wie „Superclassico“ oder „Ordem e Progresso“ im Text direkt in deutscher Übersetzung auftauchen, was schon etwas verwirrend ist. Aber ansonsten ist dies die wirklich lesenswerte, kleine Geschichte eines großen Landes und seiner Affäre mit dem Fußball, nachgezeichnet am Spitzenfußballer Arthur Friedenreich, der es als Mulatte aus „gutem Hause“ gleichzeitig leichter aber auch schwerer hatte, in bestimmten Bereichen des Fußballs Fuß zu fassen als andere Landsleute, der wegen seiner Hautfarbe auch mit der „Unterschicht“ am Strand (in den „Auen“) und in den Straßen kicken konnte, wegen seiner Herkunft anders als seine dortigen Kameraden aber auch in elitären Clubs aufgenommen wurde - und wegen wiederum seiner Hautfarbe, für die man sich damals in Brasilien „schämte“, kaum für Länderspiele in der Nationalelf berufen wurde. Die Entwicklung dieses speziellen „brasilianischen Rassismus“ nimmt daher einen guten Teil des Buches ein und das macht auch Sinn. Im Inneren ein gefeierter Star, nach Außen hin eher „versteckt“. Erfolge gibt es dennoch, auch wenn Curi in einem eigenen Kapitel feststellen muss, dass die überlieferte Rekord-Trefferzahl wohl eher nicht stimmt: Nach einem entscheidenden Tor wird eine Tageszeitung ihm den Beinamen „Goldfuß“ verpassen und erstmals überhaupt schafft es ein Foto auf die Titelseite einer brasilianischen Zeitung: kurioserweise eben genau das Bein der Fußballers (nur das Bein!). Im Buch selbst finden sich einige Fotos, aus dem frühen Brasilien wie auch von Friedenreich selbst. Auch Anekdoten kommen nicht zu kurz, werden auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht, beispielsweise die Geschichte vom Elfmeter, der so hart geschossen wurde, dass angeblich der dabei getroffene Torwart starb. Ein eigenes Kapitel wird der Untersuchung gewidmet, inwiefern Friedenreich heute „vergessen“ ist und wie es dazu kam. An und für sich ist der Begriff m.E. nicht ganz passend, denn vergessen ist Arthur Friedenreich eher nicht. In FIFA-Publikationen (zB „beste Spieler aller Zeiten“) taucht er auf, vor zehn Jahren erschienen in Brasilien mehrere Biographien des Sportlers usw… eher ist es der Versuch zu erklären, wieso Friedenreich im Vergleich zu anderen Fußballern aus Brasilien, die womöglich weniger zur Entwicklung des Fußballs beitrugen, einen geringeren Stellenwert und Bekanntheitsgrad zu haben scheint. Und dafür liefert Curi einige mögliche Gründe, u.a. die für Friedenreich „zu spät“ beginnende Praxis der Live-Radioübertragungen, in denen Sportler zu Helden verklärt wurden - dann eben andere, jüngere. Im letzten Kapitel fasst Curi sein Buch noch einmal auf zwei Seiten zusammen und so ist das eine Runde Sache. Insgesamt ist „Friedenreich“ eine leicht und schnell gelesene, gut zusammengestellte und interessante Reise durch das Leben des bemerkenswerten Sportlers und durch die Geschichte der gesellschaftlichen und fußballerischen Entwicklung Brasiliens. (mberghoefer, Juli 2009)
Escrito por martin às 16h52
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Deutscher Fußball-Kulturpreis 2009
von Matti Lieske (Berliner Zeitung) http://fussball-kultur.org/v01/de/pub/index.html?poolID=1&artikelID=3752&navID=88&IDS=alVKTOHV Martin Curi: Friedenreich. Das vergessene FußballgenieEr war einer der größten Fußballer Brasiliens, er war einer der größten Fußballer aller Zeiten überhaupt, er schoss mehr Tore als jeder andere, und er war nicht nur ein genialer Spieler, sondern auch ein findiger Innovator, dem die Legende zum Beispiel die Erfindung der Körpertäuschung und des Effetschusses zuschreibt: Arthur Friedenreich. Zwar kürte ihn die taz 1999 bei der Wahl der Jahrhundertfußballer zum Spieler der 20er Jahre, doch allzu viele Fußballfreunde kennen seinen Namen nicht. Die relative Obskurität, in welche die Karriere Friedenreichs gehüllt ist, liegt zum einen daran, dass er zu einer Zeit wirkte, in der es noch nicht leicht war, fußballerischen Weltruhm zu erlangen, zum andern daran, dass er nie an einer WM teilnahm. Zumindest die von 1930 in Uruguay wäre im Bereich seiner Möglichkeiten gewesen, doch er kam aus Sao Paulo, und geschickt wurde aufgrund interner Querelen nur eine Auswahl aus Rio de Janeiro. Das Team schied in der Vorrunde aus, mit ihm, so sagte Friedenreich später, hätte man den Titel gewonnen. Zitiert wird diese Aussage in Martin Curis Buch „Friedenreich – das vergessene Fußballgenie“, ein verdienstvolles Werk, das die Karriere dieses ungewöhnlichen Fußballspielers nachzeichnet und gleichzeitig ein lebendiges Bild Brasiliens zu Beginn des 20. Jahrhunderts liefert. Als Sohn eines deutschen Händlers und einer schwarzen Wäscherin wurde Arthur 1892 geboren, wenige Jahre nach Ausrufung der brasilianischen Republik. Seine soziale Mittelklasseherkunft und seine Hautfarbe verliehen ihm eine ganz spezielle Stellung in der jungen, sich rasant entwickelnden Gesellschaft und eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung des ebenso jungen, zunächst nur von vornehmen Weißen betriebenen brasilianischen Fußballs. So ist Martin Curis Buch auch keine klassische Biografie, zu wenig ist über Friedenreichs Privatleben, seine Persönlichkeit, selbst über seine Art, Fußball zu spielen, überliefert. Vielmehr handelt es sich um eine überaus kundige und aufschlussreiche Abhandlung über die soziale und gesellschaftliche Entwicklung Brasiliens, über die Probleme, mit denen der Fußball und seine Protagonisten in den fast drei Jahrzehnten, die Friedenreichs Karriere umspannte, zu kämpfen hatten, und über die spezielle Form des Rassismus, die beide Bereiche beeinflusste, vor allem als immer mehr schwarze Spieler aus der Unterschicht begannen, Fußball zu spielen. Mittendrin und oft genug dazwischen stand Arthur Friedenreich, der Tiger mit dem Goldfuß, wie zwei seiner Ehrennamen lauteten, in dessen Werdegang sich die verschiedenen Strömungen, Einflüsse und Widrigkeiten seiner Ära kristallisierten. Zum Volkshelden wurde er spätestens 1919, als er Brasilien zu seinem ersten internationalen Titel schoss. Beim 1:0 im Spiel um die Südamerika-Meisterschaft gegen Uruguay war Arthur Friedenreich, Siegtorschütze nach 150 Minuten, im weiten Rund des Laranjeiras-Stadions von Rio de Janeiro der einzige von fast 30.000 Menschen, der nicht weiß war.
Escrito por martin às 13h28
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Das vergessene Genie
Rassismus im brasilianischen Fußball
http://www.taz.de/1/leben/buch/artikel/1/das-vergessene-genie/ Arthur Friedenreich war der erste schwarze Star im brasilianischen Fußball. Seine Biografie ist auch die Geschichte des "Rassismus à Brasileira". VON ANDREAS RÜTTENAUER Er muss ein unglaublicher Fußballer gewesen sein. Arthur Friedenreich wurde "Tiger" genannt, "Goldfuß", von einigen sogar "König des Fußballs". Als der Stürmer 1935 seine Karriere beendet hatte, war er ein Star in Brasilien. Friedenreich, der Sohn eines deutschen Immigranten und einer Brasilianerin, war der erste Schwarze im brasilianischen Fußball, dem dieser Status zuteil wurde. Als er 1969 starb, hatte Brasilien längst neue Helden. Friedenreich hat den Sprung ins nationale Sportgedächtnis nicht geschafft. "Das vergessene Fußballgenie", so lautet der Untertitel der Biografie, die der in Rio de Janeiro lebende Sporthistoriker und -journalist Martin Curi soeben vorgelegt hat. Curi ist es gelungen, ein Buch über den brasilianischen Fußball zu verfassen, ohne die Klischeemaschine anzuwerfen. Da ziehen keine Sambatrommler oder spärlich bekleideten Tänzerinnen durch die Seiten. Die Geschichte des Arthur Friedenreich spielt sich nicht nur auf dem Fußballplatz ab. Seine Karriere wird vor dem Hintergrund der politischen, und sozialen Realität gezeichnet. 1888, vier Jahre bevor Friedenreich geboren wird, tritt das Goldene Gesetz in Kraft, in dem die Sklavenbefreiung festgeschrieben wird. In São Paulo, Friedenreichs Geburtsstadt, sorgt der Kaffeeboom für Reichtum unter den Händlern und Produzenten und für eine schier unvorstellbare Bevölkerungsexplosion. Ans Fußballspielen denken zunächst nur die Kinder der wohlhabendsten Familien, die den Sport in England kennenlernten. Die Klubs waren überaus elitär. Dass ein Schwarzer wie Friedenreich dort einmal reüssieren könnte, war lange nicht vorstellbar. Er war ein Grenzgänger - als Kind eines Deutschen hatte er Zugang zu Bildungsanstalten, in denen auch Fußball gespielt wurde. In den Flussauen São Paulos spielte er mit anderen Schwarzen und fand zugleich Aufnahme in einem Eliteklub. Doch wohl fühlte er sich dort nicht. Sein Haar hat er mit Gel geglättet. Er war ein Ausnahmespieler, aber als Schwarzer blieb er lange die Ausnahme in der Eliteliga. Curis Friedenreich-Biografie ist auch eine Geschichte des "Rassismus à Brasileira". Dass der Staatspräsident 1921 entschied, keine schwarzen Spieler zur Südamerika-Meisterschaft zu schicken, hat auch Friedenreich getroffen. Dass in der Nationalmannschaft in jener Zeit die Erfolge ausblieben, hat auch einen rassistischen Hintergrund und ist einer der Gründe, warum der Stürmer aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwand, obwohl er 1.239 Tore in seiner Karriere geschossen haben soll. Martin Curi stellt sein Buch "Friedenreich" (Verlag die Werkstatt, Göttingen 2009) am Dienstag in Berlin vor: 19 Uhr, Baiz, Christinenstr. 2
Escrito por martin às 13h23
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Der Traum von Millionen
Brasiliens Fußball Frankfurter Rundschau: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/sport/aktuell/1807297_Der-Traum-von-Millionen.html Stuttgarter Zeitung: http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2121301_0_2096_-millionengschaeft-mit-junge-talenten-im-visier-der-spaeher.html Berliner Zeitung: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0731/horizonte/0003/index.html Kein Land exportiert so viele Weltklasse-Fußballspieler wie Brasilien. Edelsteine, die geschliffen werden müssen, so nennen Brasiliens Vereine ihre jungen Talente, die sie nach langem Training für Millionen ins Ausland zu verkaufen hoffen. Ein Besuch in den Schleifwerkstätten von Rio de Janeiro. Von Wolfgang Kunath Der Viereinhalb-Millionen-Mann hatte am Abend vorher ein Spiel, deshalb fällt das Training kurz aus. Zusammen mit sechs anderen schlappt Phillipe Coutinho ein paar Mal gemächlich um das Spielfeld im São-Januário-Stadium, der Heimstatt von Vasco da Gama, dann steht er zum Interview bereit: Ein 16jähriger Wuschelkopf, der gerade für 4,5 Millionen Euro an Inter Mailand verkauft wurde. "Ich freu mich drauf", sagt er, als ginge es nur ins Zeltlager, "ich war schon zweimal in Italien, sie waren nett zu mir". Druck von zu Hause, das Geld heranzuschaffen? "Nein", wehrt er ab, "mein Vater macht nur Druck wegen der Schule". Und Probleme werde er nicht haben, weder wegen des vielen Geldes noch wegen der neuen Umgebung: "Meine Eltern gehen ja mit, um auf mich aufzupassen", sagt er ganz ohne Ironie.
Vasco ist einer der großen Traditionsvereine von Rio de Janeiro. Von Portugiesen in einem damals feinen Viertel gegründet, war es der erste Fußballclub mit einer mehrheitlich schwarzen Mannschaft, worauf die Vasco-Leute bis heute genauso stolz sind wie auf ihren Ehrensaal unter der Stadionschräge, in dem an die 7500 Trophäen – von lorbeerbekränzten Medaillen bis taufbeckengroßen Pokalen – ausgestellt sind.
Den Namen Barbosa sollte man hier übrigens lieber nicht erwähnen: Der größte Unglücksrabe des brasilianischen Fußballs, der 1950 das entscheidende Tor gegen Uruguay nicht hielt und damit die Weltmeisterschaft Brasiliens vergeigte, war Vasco-Spieler.
Aber die Zeiten haben sich geändert. An das altehrwürdige São-Januário-Stadion grenzen heute die Favelas, Rios Elendsviertel. Vasco muss nicht nur sportliche Erfolge und gute Spieler mit hohem Marktwert erzeugen, sondern praktische Sozialarbeit leisten, und natürlich versucht der Klub, das alles miteinander zu verbinden.
Vasco gibt täglich 600 Essen aus, und als erster der brasilianischen Vereine hat er vor fünf Jahren eine eigene Schule - die übrigens auch Phillipe besucht hat - gegründet, damit die Spieler über dem Sport ihre Ausbildung nicht vernachlässigen.
Denn so gierig die Klubs auf junge Talente sind, so erfolgreich sie ihre Spieler heranzüchten, so teuer sie die Besten ins Ausland verkaufen – Brasiliens Fußball ist zugleich eine riesige Frustrationsmaschine. In den über 500 Vereinen spielen an die 23.000 Profifußballer, von denen 90 Prozent höchstens bis zu 300 Euro verdienen, und nur weniger viel mehr. Die allermeisten kommen aus bitterarmen, oft familiär zerrütteten Familien. Für sie ist der Fußball die einzige denkbare Art des sozialen Aufstiegs – Traum von Millionen, der nur für wenige wahr wird.
Zwar hat Brasilien in den letzten vier Jahren 3916 Spieler ins Ausland verkauft. Aber was wird aus denen, die nicht bei den großen, berühmten Klubs spielen, sondern bei unbekannten Vereinen in der Ukraine oder in Rumänien landen? "Europa hat ein Riesen-Image in Brasilien, auch wenn"s die Faröer-Inseln sind", sagt der deutsche Sportsoziologe Martin Curi.
Den meisten ins Ausland verkauften Brasilianern stehe eine menschlich schwierige "Nomaden-Existenz" bevor - alles andere als eine glanzvolle Karriere. Curis Kollege, der brasilianische Fußball-Soziologe Maurício Murad, geht so weit, den Spieler-Export heute als moderne Fortsetzung alter Ausbeutung zu sehen: "Früher haben wir unseren Zucker, unser Gold, unseren Kaffee exportiert, heute geben wir unsere besten Spieler weg".
Zwei Autostunden entfernt und immer noch in Rio: Auf dem Trainingsgelände von Botafogo üben die Acht- und Neunjährigen Ballbeherrschung. "Fraldinhas" nennt man diese Altersklasse, in der die Trikots und die Hosen noch viel zu groß am Körper schlabbern: Windelchen. Nebenan zwei Mannschaften der "Infantil"-Altersklasse, 14-, 15-jährige, deren Spiel vor lauter Verbissenheit ohne Rufen und Schreien abgeht. Lockerer geht"s ein Spielfeld weiter zu, wo die Junioren der Jahrgänge 89 bis 91 Beinbewegungen üben, die wie Versatzstücke jener Fußball-Artistik wirken, die als typisch brasilianisch gilt.
"Nachwuchs zu züchten, um Gewinn zu erwirtschaften, damit der Club bestehen kann, das war schon immer Botafogos Stärke", gibt Sidnei Loureiro, der Nachwuchs-Trainer, unumwunden zu, "und wenn sich bei uns ein neuer Spieler hervortut, ist er sofort im Visier der ausländischen Clubs". Botafogo baut demnächst ein neues Trainingszentrum – typisch für die Entwicklung des brasilianischen Fußballs. "Sie investieren in moderne Trainingszentren, aber ihre Stadien lassen sie verfallen", sagt Curi, "damit ist ja auch kein Geld zu verdienen". Denn Brasiliens Vereine leben nicht, wie deutsche Clubs, vom Geschäft mit ihren Fans, sondern vom Verkauf ihrer Spieler.
Phillipe Coutinho, der Inter-Mailand-Millionär, stammt aus einer intakten, bürgerlichen Familie; insofern ist er eine Ausnahme. Richard Anton Alda schildert, was die Regel ist: "Sie stammen aus schlichtesten Verhältnissen, sie brauchen Hilfe bei allem, manche können nicht mal mit Messer und Gabel essen". Alda ist Empresario, also Fußballspieler-Agent; seine prominentesten Kunden - oder Zöglinge – sind Carlos Alberto, der bei Werder Bremen nicht gerade ein durchschlagender Erfolg ist, und Marcelo von Real Madrid.
Barra ist die Gegenwelt der Favelas: Ein brasilianisches Miami am Strand von Rio, bevorzugter Wohnort der Reichen und der Neureichen, also auch erfolgreicher Fußballspieler – und deshalb haben 40 der 67 Fifa-registrierten Fußballer-Agenten von Rio ihre Büros in Barra. So wie Alda, der nicht nur an die zehn Profis, sondern auch drei Dutzend Nachwuchs-Spieler unter Vertrag hat.
Wie bitte – ein Vertrag für 11jährige? "Naja", sagt Alda, "Verträge mit unter 16jährigen sind verboten. Aber ich kann doch der Familie ein bisschen helfen, oder?" Er übernehme mal eine Zahnbehandlung, verschenke mal ein paar Fußballschuhe, stecke der Mutter des Spielers ein bisschen Geld zu: Stets erfolgreiche Versuche, ein hoffnungsvolles Talent an sich zu binden.
Die Empresarios sind die Hassfiguren des brasilianischen Fußballs. Wann immer im Fußballgeschäft die Kasse klingelt, fallen zehn Prozent für sie ab – und allein Carlos Alberto hat Werder 7,8 Millionen Euro gekostet. Alda sieht sich natürlich nicht als Parasit, sondern als Beschützer. "Ich sage ihnen, mit 35 ist deine Karriere zu Ende, aber danach lebst du womöglich noch 45 Jahre", sagt Alda, und deshalb sei er für ein Gesetz, das die Spieler zwinge, einen Teil ihrer Einkünfte für später zu blockieren.
Alda nennt keine Namen, beschwört aber, der Fall sei nicht erfunden: Ein 16jähriger, der 80 Euro Unterhaltszuschuss von seinem Verein bekam, wurde Profi, verdiente tausend Euro und spielte so gut, dass er zwei Monate später das Zehnfache bekam, "und nach zehn Monate wurde er für 45 000 Dollar Gehalt nach Russland verkauft".
Und so etwas, sagt Alda, halte psychisch niemand aus.
Escrito por martin às 13h19
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Kundenrezensionenhttp://www.amazon.de/Friedenreich-vergessene-Fu%C3%9Fballgenie-Martin-Curi/dp/3895336467 1 Rezension | 5 Sterne: | | (1) | | 4 Sterne: | | (0) | | 3 Sterne: | | (0) | | 2 Sterne: | | (0) | | 1 Sterne: | | (0) | | | | |
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| 5.0 von 5 Sternen Spitze, 11. Juni 2009 Auf raffinierte Art und Weise wurde - unterhaltsam und erfrischend geschrieben - die Entwicklungsgeschichte Brasiliens anhand des Fußballers Friedenreich dargestellt. Sowohl der an Fußball als auch der an Geschichte Interessierte wird aus einer Hand informiert - was will man mehr? |
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Escrito por martin às 16h15
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Lesereise: Friedenreich
Martin Curi: »Das vergessene Fußballgenie Friedenreich« 19.06.09 Nürnberg, Zeitungscafé (Deutsche Akademie für Fussballkultur), 19.30h http://fussball-kultur.org/v01/de/pub/index.html?navID=&artikelID=3626&IDS=PNxrkubU 24.06.09 Hamburg, Jolly Roger (Ballkult), 20.00h http://www.fanraeume.de/cms/index.php?view=details&id=15%3Afriedenreich&option=com_eventlist&Itemid=94 29.06.09 Berlin, Zielona Gora (Brot-und-Spiele eV), 20.00h
http://stressfaktor.squat.net/termine.php?tag=29062009 http://radar.squat.net/index.php?mode=details&profile=radar&timerange=29&what=0&where=0&location_id=84 30.06.09 Berlin, Baiz (Rosa-Luxenburg-Stiftung), 20.00h http://www.rosa-luxemburg-club.de/index.php?id=18883&type=0&ftu=5dad58c8e3 01.07.09 Leipzig, Fischladen (Bunte Kurve), 19.00h http://www.bunte-kurve.de/?p=258
Escrito por martin às 16h51
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